Gerti und Alex Wolf vom Pünthof in Algund über die Freude, Gleichgesinnte gefunden zu haben, das Danke einer Auszeichnung und darüber, warum Farben, Stoffe und Kunstsinn einem Haus wie ihrem Leichtigkeit verleihen.
Historic: „In der Auszeichnung zum Historischen Gastbetrieb des Jahres 2024 heißt es: „Der Ansitz Pünthof zeigt nicht nur einen nicht „beschwerten“ Umgang mit einer speziellen Geschichte, sondern auch originelle Lösungen im Umgang mit neuen Herausforderungen.“
Gerti und Alex Wolf
Gastgeber im Ansitz Pünthof
Gerti: Das ist mein Lieblingssatz! Er drückt genau aus, was wir hier erreichen wollen. Und wir dachten, wir wären nicht gut genug, beim Wettbewerb mitzumachen.
Als wir angefangen haben, mit Leuten zu arbeiten, zu denen wir gut passen, ist eine Leichtigkeit hereingekommen, nicht mehr diese Strenge. Ein altes Haus ist kein Heiligtum, keine Kirche. Wir wollten mit Stoffen arbeiten, mit Farben.
Kam es so zur Zusammenarbeit mit dem Künstler Manfred Aloys Mayr, mit Architektin Herta Waldner, mit Architekt Wolfram Pardatscher und mit Architektin Christina Biasi von Berg?
Gerti: Genau. Christina hat uns zum Beispiel ein Stoff-Arrangement vorgelegt, mit dem ich sofort einverstanden war – sie kann es einfach. Die Zimmer haben eine Frische bekommen!
Andere würden ein Haus wie dieses wohl schlossartig einrichten – aber diese Schwere mag ja kein Mensch mehr. Auch deshalb liebe ich den anfangs erwähnten Satz. Denn ein „nicht-beschwerter“ Umgang, heißt nicht „unbeschwert“, denn das ist es auch nicht.
Kunstsinn und Gastfreundschaft. Ansitz Pünthof, Algund.
Ihre Familiengeschichte hier am Hof beginnt schon sehr früh.
Alex: Es gibt einen Kaufvertrag von 1620. In den 90er Jahren hat ein Experte nach historischen Unterlagen zu alten Südtiroler Höfen gesucht, in Archiven in München, in Innsbruck. Er wusste, dass in vielen Gemeinden während des Faschismus Unterlagen verbrannt oder heimlich weggeschafft worden waren – ins Ausland, mit dem Rucksack. Im Zuge seiner Recherchen hat er unseren Kaufvertrag von 1620 gefunden und folglich hier an unserem Stammbaum gearbeitet.
Man liest in alten Aufzeichnungen vom „Bindhof“ …
Gerti: Früher haben die Menschen häufig Namen so geschrieben, wie man sie gesprochen hat.
Alex: 1995, als wir als „Erbhof“ ausgezeichnet wurden, hat man noch einmal genau recherchiert. Der wahre Hofname „Pünthof“ kommt aus dem Romanischen: Pünt, das bedeutet ponte, also Brücke.
Gerti: Am Ufer der Etsch dort hinten ist der Brückenkopf der Via Claudia Augusta, einer alten Römerstraße, die von Süden über den Reschenpass nach Norden führte.
Vom Garten aus erkennt man am Pünthof auch einen Turm.
Alex: Ursprünglich war das hier ein Aussichtsturm, ohne Dach. Man ist sogar außen hinaufgestiegen. Vom Aussichtsturm konnte man von Weitem sehen, wer die Straße entlangkam. Wahrscheinlich wurde der Turm erst bewohnbar gemacht und mit einem Dach ausgestattet, als unsere Familie das Anwesen 1620 gekauft hat.
Was Gästen hier auch ins Auge sticht, ist eure Beziehung zur Kunst.
Alex: Wir hatten immer schon Künstler da. Auch meine Schwester war künstlerisch tätig und früher viel mit Rudolf Stingl unterwegs. Als Student war er hier bei uns, hat an der Außenmauer die Wappen gemalt.
»Ein „nicht-beschwerter“ Umgang, heißt nicht „unbeschwert“, denn das ist es auch nicht.«
Hotel Ansitz Pünthof
An einem römerzeitlichen Brückenübergang über die Etsch bei Algund befindet sich seit dem 13. Jahrhundert der heutige Pünthof.
»Unsere Hausgäste haben unsere Aufmerksamkeit. Sie haben mitgebucht, dass man mit ihnen redet, etwas erzählt.«
Und wie seid ihr zu Künstler Manfred Mayr gekommen?
Alex: Mit ihm sind wir schon länger befreundet. Für diesen Raum hier hat er zum Beispiel die Möbel gezeichnet. Auch das Konzept für das „Stübele“ stammt von ihm. Und dass die alte Stube heute wieder so aussieht, geht auch auf ihn zurück …
Aus welcher Zeit stammt sie?
Alex: Von 1600. In den 70er Jahren hat man hier einen Parkettboden hineingeklebt, die Sitzgelegenheiten mit Stoffen überzogen –
Manfred hat vorgeschlagen, all das herauszunehmen. Darunter kamen die alten Bänke und Böden zum Vorschein. Die Farben sind original, nur ein wenig ausgebessert.
Wenn man euch im Umgang mit Hausgästen beobachtet, wie soeben hier in der alten Stube, fällt euer Fokus auf den Gast auf. Ihr seht den individuellen Menschen und nehmt euch Zeit für ein persönliches Gespräch.
Gerti: Wir haben das selbst erst durch die Auszeichnung verstanden, was wir hier anders machen. Unsere Hausgäste haben unsere Aufmerksamkeit. Sie haben mitgebucht, dass man mit ihnen redet, etwas erzählt. Und jetzt sind wir schon auch ein bisschen stolz, haben eine Freude.
Alex: Du denkst dir: Alles haben wir nicht schlecht gemacht. (lacht)
Historische Gastbetriebe auszuzeichnen und ihre Gastgeber auf die Bühne zu bitten, ist auch eine Art, Danke zu sagen …
Alex: Es ist wichtig, dass Menschen sich um diese historischen Gastbetriebe kümmern. Häuser, die nicht bewohnt werden, verfallen. Heute reden alle von Nachhaltigkeit. Wenn ein Haus ein paar hundert Jahre steht, ist das auch nachhaltig. Der Pünthof hält noch ein paar hundert Jahre, wenn man auf ihn achtgibt.
Also lieber Dinge mit Bedacht machen, als immer wieder neu?
Alex: Wir haben durch unser Haus eine andere Einstellung. Wenn du stets von Dingen umgeben bist, die ein paar hundert Jahre alt sind, entwickelst du einen ganz anderen Bezug zu ihnen.
Wir entscheiden uns für etwas, weil es uns gefällt. Und wir wollen es auch nicht wegwerfen, wenn es kaputt wird. Dann muss man es eben wieder in Ordnung bringen. Aber es bleibt.
Gerti: Wir haben ganz gut gelernt zu unterscheiden, was ist schützenswert ist und auf jeden Fall bleiben muss – und was nicht. Es gibt Dinge, die sind zeitlos schön. Und daran ändert sich lange nichts.