Wir sind ein Zusammenschluss ausgezeichneter historischer Hotels und Wirtshäuser in Südtirol. Wir sind Botschafter zeitloser Gastlichkeit.

Gasthof Kohlern

Geboren als Sommerfische-Ort. Der Seilbahn verbunden. Dem Wohle verschrieben. Gasthof Kohlern, Bozen.

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Josef Schrott vom Gasthof Kohlern über Seilbahn, Seilbahn, Seilbahn – und über Zeit, Zeit, Zeit. Ein Gespräch über Sommerfrische, das verlorene Gästebuch und geheime Lichtzeichen zwischen Kohlern und Bozen.

Historic: „Die Geschichte eures Hauses beginnt zu jener Zeit, als noch keine Seilbahn von Bozen herauf nach Kohlern führte. Was macht diesen Ort damals wie heute aus?.“

Josef Schrott
Gastgeber im Gasthof Kohlern

Josef Schrott: Das Haus hier definiert den Ort – und umgekehrt der Ort das Haus. Kohlern ist immer noch das, was es früher war. Und geboren wurde es als Sommerfrische-Ort.

Reisejournalist Heinrich Noë schrieb Ende des 19. Jahrhunderts, die Städter kamen hier hoch, „um sich durch einen frischen Trunk vom Spülicht zu erholen, den man im Sommer in der Stadt trinkt“.

Mozart hat angeblich gesagt: Bevor ich wiederkomme nach Botzen, geh ich mir lieber eine fotzen. (lacht) Die Luft- und Wasserqualität hier am Kohlerer Berg ist seit jeher fantastisch. Es hat sogar ein Badl gegeben, Bad Isidor. Unser Kohlerer Quellwasser füllen wir auch heute noch täglich frisch ab. Und frische Luft bringt täglich die Ora, der Gardasee-Wind; pünktlich zwischen sechs und acht Uhr am Abend.

Wie kann man sich die Sommerfrische um die Jahrhundertwende vorstellen?

Die Männer waren in der Arbeit, auch im Sommer. Und die Frauen, die Mägde samt Kind und Kegel, begaben sich auf Sommerfrische. Abends stand man mitunter mit den Männern im Tal in Kontakt. Es gab damals schon eine Telegraphenstation in Herrenkohlern, eine der ersten in Südtirol. Aber man behalf sich oft nur mit Lichtzeichen: Welche das waren, wurde vorher ausgemacht. Manche der Väter kamen an den Wochenenden herauf.

Hier waren auch bekannte Namen zu Gast. Die Gäste kamen nicht nur aus Bozen, sondern auch aus Wien und aus anderen europäischen Großstädten. Unser altes Gästebuch ist aber leider nicht mehr im Haus. Das suche ich schon mein ganzes Leben lang. Dafür würde ich gerne einen Aufruf starten.

Geboren als Sommerfische-Ort. Gasthof Kohlern, Bozen.

Hiermit sei er gemacht.

Im Vergleich zu anderen Sommerfrische-Orten wirkt Kohlern recht beschaulich.

Hier oben herrscht Baustopp. Es gibt praktisch nur Häuser aus der Jahrhundertwende, wie beispielsweise die Villa Bittner – ein exzellentes Beispiel für einen sehr verspielten alpinen Jugendstil.

In den letzten Jahrzehnten gab es durchaus Pläne, was man in Kohlern so alles machen könnte: vom Alpenzoo bis zum botanischen Garten, eine weitere Seilbahn von Bozen auf den Virgl und weiter hierher. Gott sei Dank ist nichts davon passiert. Ich finde Kohlern so, wie es ist, perfekt.

Also das Ursprüngliche wahren?

Ich finde es richtig, dass die Seilbahn bleibt und auch die Straße, die heraufführt. Kohlern braucht eine umsichtige Weiterentwicklung, keine Großprojekte.

Und was ist euer Ursprung?

Ein Herrenhaus eines gewissen Baumgartner, der unten an der Talfer ein Sägewerk besaß und sich hier oben einen Ansitz mit Kirche bauen ließ. 1899 hat Josef Staffler das Haus erworben und es zum Höhengasthof umgewidmet.

Eine Straße hierher zu bauen, war zu kostspielig. Also versuchte Staffler, die bestehende Materialseilbahn offiziell für den Personentransport auszubauen. Die Zuständigkeit lag damals beim Eisenbahnministerium in Wien – und das wollte die Seilbahn partout nicht genehmigen. Man sah zu große Konkurrenz zur Schiene. Es dauerte ganze acht Jahre bis zur Genehmigung.

Inoffiziell fuhren Leute während dieser Zeit natürlich bereits mit der Materialseilbahn herauf.

Man erzählt sich, diese Seilbahn habe die Waldarbeiter mit fliegenden Knödeln versorgt …

Die Seilbahn brachte den Arbeitern das Essen herauf. Und wenn sie über Stützen fuhr, wurde die Ladung schon mal heftig durchgeschüttelt. So manch ein Knödel ist da wohl ungewollt hinausgeflogen – vom Himmel herab in die Münder, wie im Schlaraffenland. (lacht)

Als die Personenseilbahn dann 1908 eröffnet wurde, war sie ein Riesenerfolg.

Am 29. Juni standen die Leute Schlange, um heraufzukommen. Die Fahrt dauerte damals eine gute halbe Stunde – wenige Passagiere, nur eine Kabine. Und dennoch brachte diese Bahn in ihren ersten Jahren mehr Leute nach Kohlern als die heutige. Die Geschichte des Hauses hängt wesentlich mit der Geschichte der Seilbahn zusammen. Seilbahn, Seilbahn, Seilbahn.

»Das Haus hier definiert den Ort – und umgekehrt der Ort das Haus.«

Josef Schrott
Gastgeber im Gasthof Kohlern

Gasthof Kohlern

In glücklicher Lage über Bozen, das Etschtal im Blick, unweit von Wald und Wiese und einer Seilbahn hinab in den Talkessel – so bettet sich der Gasthof Kohlern.

Gasthof Kohlern

»Kohlern ist immer noch das, was es früher war. Und geboren wurde es als Sommerfrische-Ort.«

Josef Schrott
Gastgeber im Gasthof Kohlern

Auch der 29. Juni kommt in eurer Geschichte häufig vor …

An diesem Tag hat früher die Sommerfrische begonnen. Und sie endete Anfang September – danach war nichts mehr. Außerdem ist es der Tag, an dem im Jahr 1908 die Seilbahn eröffnet wurde – und 1966 unser Haus. Und meine Mutter hat am 29. Juni ihren Namenstag. (schmunzelt)

Angeblich blieb Kohlern auch deshalb überschaubar, weil es auf der Schattenseite liegt.

Das stimmt nicht ganz. Die sogenannte Sonnenseite von Bozen, also Jenesien, hat weniger Sonnenstunden als Kohlern. Diese Aussage werde ich noch mit einer detaillierten Studie belegen, wenn ich in Pension bin. (lacht)

Ich halte den alten Wettstreit zwischen Ritten, Kohlern und Jenesien gerne ein bisschen am Laufen. (lacht)

Zurück zum Gasthof Kohlern, eurem Haus: Ihr arbeitet seit geraumer Zeit mit Zeno Bampi und seit Kurzem auch mit Christina Biasi von Berg zusammen.

Ich bin schon in jungen Jahren auf Architekt Zeno Bampi gestoßen, weil er im Umgang mit Altbauten einfach der Richtige ist. Zeno sagt von sich selbst, er sei oft nur Vermittler zwischen Generationen. Und das war er auch 1993 bei uns, als ich den Gasthof übernommen habe. Mit Christina Biasi von Berg haben wir die vier neuen Refugien gemacht. Diesen Zubau bei unserer historischen Struktur genehmigen zu lassen und umzusetzen, war nicht leicht.

Wann kam das Haus erstmals in euren Familienbesitz?

Das Haus stand jahrzehntelang leer. Kinder haben darin gespielt, die Scheiben waren zerschlagen. Als mein Vater es 1965 für 26 Millionen Lire gekauft hat, war es mehr eine Ruine. Die Renovierung hat fast ein Jahr gedauert – und noch einmal so viel gekostet. Meine Mutter hat erzählt, dass die Leute in den ersten Jahren nur gekommen sind, um zu schauen.

Und wurden diese ersten Besucher auch schon vom Kohlern-Virus befallen?

Wer damit einmal infiziert ist, ist nicht mehr zu heilen. Der Virus ist sehr ansteckend. (lacht) Die Inkubationszeit dauert ein paar Tage: Am ersten Tag sind die Gäste meist noch etwas durch den Wind, am zweiten fängt der Virus langsam an zu wirken, und ab dem dritten Tag ist man infiziert. Bei Wiederkehrern geht es schneller.

Also hofft man, sich ehestmöglich anzustecken. Wirkt sich eine kurze Anreise positiv aus?

Der größte Luxus ist Zeit. Wenn ich viel Zeit verliere, um irgendwo hinzufahren, ist jeglicher Luxus wenig wert. Es geht nur um die Zeit. Zeit, Zeit, Zeit.

Deswegen: zwei Monate Sommerfrische – Zeit haben im Sommer, wie früher. Cavolo, das ist heute kaum zu glauben.

Josef Schrott
Gastgeber im Gasthof Kohlern

Gasthof Kohlern
Kohlern 11
39100 Bozen, Südtirol
+39 0471 329 978

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