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Hotel Westend

Ein Gespräch mit Alexander Strohmer über
»den Wilden Westen Merans, Farbenspiele und eine architektonische Visitenkarte
der Jahrhundertwende.«

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Hotel Westend,

Alexander Strohmer

 

Zwischen Passer, Pappeln und Palmen liegt am Westende Merans eine Jugendstilvilla mit einer besonderen Architektur. Alexander Strohmer über sein Hotel Westend, neugierige Blicke von der Passerpromenade und über die Familie Delugan, die dem Haus seit jeher verbunden ist.

Historic: Das Hotel Westend ist eines der ersten Werke des Baumeisters und Architekten Pietro Delugan. Seine Bauten prägen Merans Stadtbild bis heute. Wie kam es, dass er das heutige Hotel Westend gebaut hat?

Alexander Strohmer

Gastgeber im Westend

Als Pietro Delugan das Haus 1895/96 gebaut hat, trug es noch den Namen „Villa Delugan“. Es war eine Privatvilla für ihn und seine Familie. Da war er eben erst aus der Schweiz nach Meran zurückgekommen. Dieses Haus sollte seine architektonische Visitenkarte werden, ein Beweis seiner im Ausland erlangten Fähigkeiten – und der ist ihm durchaus gelungen, wie sein späterer Erfolg zeigt: In Meran hat er zahlreiche Gebäude errichtet, unter anderem das Hotel Palace und den Zubau zum Kurhaus.

Was zeichnet Pietro Delugans Architektur aus?

Damals war die große Zeit des Jugendstils: dieses leicht Verschnörkelte in Verbindung mit den eleganten Linien, die auch dieses Haus auszeichnen. Auch die ockergelbe Farbe ist noch original. Es ist keine normale Farbe, sondern eine Kalkfarbe, die sich je nach Wetter, Sonnenstand und Schattenwurf der Bäume zu ändern scheint. Am Abend zum Beispiel wirkt das Haus rosa-gelb, jetzt am Morgen hellgelb, frisch. Auch wenn es schneit, hat es seine eigene Farbe. Das macht das Haus lebendig.

Ich beobachte immer wieder, dass Leute auf der Passerpromenade stehen bleiben, um sich unsere Villa genau anzuschauen.

Sie kennen das Haus sehr gut.Seit wann führt Ihre Familie das Hotel Westend?

Meine Eltern haben es 1983 gekauft. Ich habe damals noch im Hotel Europa Splendid gearbeitet, unserem Stammhaus. Ab den 90er Jahren habe ich dann das Hotel Westend zusammen mit meiner Mutter geführt und im Jahr 2000 ganz übernommen. Aber auch die Familie Delugan ist dem Haus bis heute verbunden geblieben.

Interessant, wie kommt das?

Kaj Delugan, ein Urenkel von Pietro, ist mit mir zur Schule gegangen. Sein Bruder Roman Delugan war mit meinem Bruder in der Klasse. Heute sind beide in Wien und international als Architekten tätig – unsere Freundschaft und Zusammenarbeit pflegen wir aber weiterhin.

Den Torbogen am Eingang von der Passerpromenade hat außerdem Pietros Enkel Hermann Delugan gestaltet, vor ca. 30 Jahren war das. Leuchtschriften waren damals modern. Doch bei so einem Haus müssen moderne Elemente behutsam eingefügt werden. Das gilt auch für die Zimmer, die wir seit den 1983 Schritt für Schritt modernisiert haben.

Ein Konglomerat an Inspiration. Von 1896 bis heute.

Am meisten ins Auge fallen einem die wunderbaren Möbel aus der Kaiserzeit – unter anderem von der Wiener Möbelfabrik Julius und Josef Herrmann. Wie sind die hierhergekommen?

Die Möbel stammen noch von der früheren Hotelbesitzerin, diese leicht überdimensionierte Größe war damals modern. Zwischenzeitlich empfand man sie als altmodisch, doch diese Phase haben sie glücklicherweise überdauert. Heute schätzen sehr viele Leute diese hochwertigen Stücke wieder. Schauen Sie, hier am Fußende des Bettes sind noch die originalen Metallembleme mit dem Logo der Möbelfabrik J. & J. Herrmann zu sehen.

Die Möbel tragen viel zum Flair des Hauses bei …

Ja, sie gehören zum Wert dieses Hauses dazu. Ein Großteil der Zimmer hat auch einen Parkettboden aus der damaligen Zeit. Natürlich ist Holz ein lebendiges Material. Es ist an manchen Stellen ein wenig abgetreten, hat ein bisschen Patina. Und im Winter knarren die Böden so schön – dann ist das Holz nämlich trocken und zieht sich zusammen. Mir gefällt das.

Haben Sie ein besonderes Lieblingsstück in Ihrem Haus?

Auf den Korridoren gibt es noch die alten Bassenas: Wandbrunnen, aus denen früher Wasser in die Zimmer zu den Waschtischen gebracht wurde. Die Zimmer hatten damals nämlich noch kein Bad. Dafür gab es auf jedem Stockwerk ein Zimmer mit einer Badewanne und eines mit einer Toilette.

Damals war die große Zeit des Jugendstils: dieses leicht Verschnörkelte in Verbindung mit den eleganten Linien.

 

Alexander Strohmberger
Gastgeber im Westend

Eine Kulisse wie aus einer anderen Zeit …

Tatsächlich war das Haus schon einmal Filmkulisse. Dem Regisseur Roberto Faenza hat das Haus so gut gefallen, dass er 2014 seinen Film „Anna B.“ zum Teil hier gedreht hat. Er handelt von einer jungen Frau zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Im Film liegt das Haus aber nicht in Meran, sondern in Prag!

Besonders unsere Möbel haben es dem Regisseur angetan. Es wurden nur wenige Kleinigkeiten geändert. In einem Zimmer hat Faenza beispielsweise die Wände tapezieren lassen. Die Tapete hat so gut gepasst, dass ich sie nach dem Dreh so belassen habe.

Hotel Westend

Als wäre für 100 Jahre die Zeit still gestanden: In den hohen Räumen des Hotels Westend an der Meraner Passerpromenade fühlt man den ruhigen Pulsschlag einer vergangenen Epoche. 

Westend

Auch den ein oder anderen illustren Gast gab es hier im Hotel Westend schon. Zum Beispiel den deutschen Dichter Gottfried Benn.

Richtig. Er hat 1952 eine Zeit lang hier gewohnt – und in diesem Haus Briefe und Gedichte geschrieben. Ich werde heute noch oft gefragt, welches sein Zimmer war.

Und, welches war es?

Wahrscheinlich war es eines der Einzelzimmer noch vorne hinaus – zumindest lässt die Weise, wie er den Garten beschreibt, darauf schließen.

Gottfried Benn kam damals herunter aus dem Norden, vom schlechten, trübseligen Wetter – und er kommt in Meran bei strahlendem Sonnenschein an – und bei sich. Diese Erfahrung machen die Leute bis heute, wenn sie über den Brenner kommen. Auf der einen Seite ist schlechtes Wetter, dann fahren sie durch den Tunnel in den Süden – und plötzlich ist Sonnenschein! Ein Erlebnis, das die Zeit überdauert hat und der Seele guttut.

Alexander Strohmer
Gastgeber im Westend

Hotel Westend
J. Speckbacherstraße 9
39012 Meran, Südtirol
+39 0473 447 654
westend.it

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