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Hotel Monte Sella

Als das Monte Sella in St. Vigil noch das einzige Hotel im Ort war. Von Entdeckern und ersten „richtigen“ Gästen. Ein Gespräch mit Norbert und Anna Cristina Cristofolini.

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Die Dolomiten als Sehnsuchtsort. Von Forschern, Abenteurern und wohlhabenden Gästen aus der Donaumonarchie. Norbert und Anna Cristina Cristofolini über ihr Monte Sella in St. Vigil in Enneberg; ein Haus mit Feinsinn, das Einheimische auch heute noch liebevoll „das Hotel“ nennen.

Historic: Können Sie uns erzählen, wie der alpine Tourismus in den Dolomiten entstanden ist?

Norbert Cristofolini
Gastgeber im Hotel Monte Sella

Die Dolomiten sind im Vergleich zu anderen Regionen und Bergen der Alpen erst spät entdeckt worden, zunächst von englischen Alpinisten und Reiseschriftstellern, die Bücher über ihre Reisen geschrieben haben. Nach den Engländern kamen die Österreicher, zuerst aber eher Forscher, Geologen und Abenteurer. Ein wichtiger Faktor war die Inbetriebnahme der Pustertaler Bahn im Jahr 1871. Damit kamen die ersten „richtigen“ Gäste aus der Donaumonarchie, aus Wien zum Beispiel und aus Prag. Es waren Adelige und Wohlhabende – allein die Reise mit dem Zug von Wien nach Bruneck kostete ein Vermögen! Sie haben in Bruneck übernachtet und sind am nächsten Tag mit der Kutsche nach St. Vigil gefahren, wo sie für Monate zur Sommerfrische geblieben sind.

Das Monte Sella war im Jahr 1903 ein absoluter Vorreiter für den Tourismus im Gadertal – doch Strom gab es zunächst noch keinen im Tal, richtig?

Norbert Cristofolini: Das stimmt. Das erste E-Werk im Tal wurde erst danach gebaut – im Grunde für dieses Haus. Es hat noch mit Gleichstrom funktioniert. Doch als hier im Haus das erste Mal das Licht anging, ist praktisch zugleich die Nachricht vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs eingetroffen. Auch deswegen blieb das Monte Sella lange Zeit das einzige Hotel weit und breit. Für die Leute im Dorf bin ich deshalb heute noch der Norbert „vom Hotel“. (lacht)

Ehemals allein auf weiter Flur. Heute einzigartig in seiner Anmut. Das Monte Sella

in St. Vigil.

Wer hat das Monte Sella ursprünglich errichtet?

Norbert Cristofolini: Das war die Familie Mutschlechner: ein sehr unternehmerisches Ehepaar, das nach St. Vigil gekommen war, um den Postdienst zu übernehmen. Diese Posthäuser hatten damals Ställe, Pferde, Kutschen, Zimmer für die Kutscher – Die Mutschlechner haben gleich mehrere Häuser gebaut – das Monte Sella war ihr letztes. Doch damit haben sie sich offenbar übernommen, denn kurze Zeit später gehörte das Haus einer Bank. Ein Onkel meines Vaters hat es dann gekauft. Das war vielleicht 1905 oder 1906. Alle Aufzeichnungen aus dieser Zeit sind im Ersten Weltkrieg verschwunden.

Wie ist es dazu gekommen, dass Ihre Familie das Haus selbst geführt hat?

Norbert Cristofolini: Mein Großonkel hatte gemeinsam mit zwei Brüdern eine Ziegelei in Meran. Das Hotel im fernen Gadertal stand nicht im Fokus seiner geschäftlichen Interessen. Die drei Brüder hatten aber auch noch eine Schwester, die schließlich das Monte Sella geerbt hat: Justina Gilmozzi, meine Großmutter. Nach dem Ersten Weltkrieg war hier nur sehr wenig los. Hier ein Hotel zu führen, war eine Herausforderung.

Wie ist der Neustart gelungen – ohne die Gäste aus der Donaumonarchie?

Norbert Cristofolini: Nach dem Ersten Weltkrieg sind die Italiener gekommen. Die waren am Anfang skeptisch, haben sich dann aber doch überzeugen lassen, dass es schön hier ist. (lacht) Dann kamen der Faschismus und der Zweite Weltkrieg – eine schlimme Zeit. In den folgenden Jahrzehnten haben meine Eltern Giovanni und Olga hart gearbeitet, um das Haus zu erhalten. Auch ich selbst habe noch mit meiner Mutter in der Küche gestanden.

»Für mich ist dieses Haus mehr, es ist eine Lebensaufgabe. Die größte Freude ist es, diese Schönheit mit anderen zu teilen.«

Norbert Cristofolini
Gastgeber im Hotel Monte Sella

Hotel Monte Sella

Geschichten vom Gipfelglück erzählt man sich gegenseitig im Hotel Monte Sella, idyllisch im Herzen der Dolomiten gelegen – und das schon seit 1903. 

Hotel Monte Sella

Was hat sich beim Gastgeben seit damals verändert?

Norbert Cristofolini : Am auffälligsten ist die neue Beziehung zu den Gästen. Als Kinder durften wir zum Beispiel nie den Haupteingang benutzen. Es gab einen großen Unterschied zwischen Gästen, Mitarbeitern und uns Kindern. Ich hingegen bin mit allen per Du – das passt vielleicht auch besser in unsere Zeit.

 

Anna Cristina Cristofolini: Das muss man wirklich betonen. Norbert liebt die Gäste – und die Gäste lieben ihn. Norbert, Norbert, Norbert heißt es überall. Sie kommen eigentlich nicht ins Hotel Monte Sella, sie kommen zu Norbert. (lacht)

Dazu passt der außergewöhnliche Veteranenclub der „Fedelissimi“, der treuesten Gäste des Hotel Monte Sella. Wer hatte die Idee dazu?

Anna Cristina Cristofolini: Norbert natürlich – zusammen mit den Gästen.

 

Norbert Cristofolini ​​​​​: Wir haben einfach eine sehr gute Beziehung zu unseren Gästen. Sie sind ganz stolz, wenn sie auf dieser Liste im Salon des Hotels stehen. Angefangen hat das Ganze ungefähr vor 25 Jahren. Und alle zwei bis drei Jahre erneuere ich die Liste. 2003 haben wir dann alle Mitglieder zur 100-Jahr-Feier des Hotels eingeladen. Jetzt wäre ohnehin mal wieder eine Feier fällig. Vielleicht zum 120-Jahr-Jubiläum.

Was ist die größte Herausforderung, wenn man ein historisches Haus erhalten will?

Norbert Cristofolini : Man braucht gute Handwerker und gute Materialien – und beides haben wir zum Glück. Und es ist ein bisschen kostspieliger als ein normales Hotel, zum Beispiel wenn man die Balkone erneuern will, die alle aus Holz sind und traditionelle Handwerksarbeit.

An den Balkonen fällt vor allem die gelbe und rote Farbe auf. Was hat es damit auf sich?

Norbert Cristofolini : Gelb und Rot sind die Farben der Habsburger. Diese Balkone waren um 1900 ein Markenzeichen für gehobene Hotels. Auch andere Hotels haben aus dieser Zeit haben Balkone in diesen Farben, zum Beispiel das Paradiso in Innichen und das Grand Hotel in Toblach. Die Balkone haben wir aber schon drei oder vier Mal erneuern müssen. Das Holz verwittert einfach nach einer bestimmten Zeit, wenn es Regen und Schnee ausgesetzt ist

Man hat das Gefühl, dass alle Anpassungen im Haus mit viel Feingefühl erfolgt sind. Die Atmosphäre Hauses hat überdauert.

Norbert Cristofolini : Ich mag einfach diese schönen Sachen. Und ich schaue nicht unbedingt nur aufs Geschäft. Für mich ist dieses Haus mehr, es ist eine Lebensaufgabe. Und die größte Freude ist es, diese Schönheit mit anderen zu teilen, die sie ebenfalls wertschätzen.

Familie Cristofolini
Gastgeber im Hotel Monte Sella

Hotel Monte Sella
Catarina Lanz Str. 7
39030 St. Vigil in Enneberg, Südtirol
+39 0474 501 034
monte-sella.com

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